Hohe Schule

ehemalige Hochschule (1591) im historischen Stadtkern Burgsteinfurt, An der Hohen Schule 14 Merkmale der Renaissance, zwei beeindruckende Türme
Die Verbreitung und Unterstützung der jeweiligen Glaubensrichtung war für Graf Arnold IV. zu Bentheim und Steinfurt (1554-1606) und seine Zeitgenossen in der Epoche der Glaubenskämpfe von entscheidender Bedeutung. 1588 kamen die ersten Jesuiten nach Münster und übernahmen dort die Leitung des hochangesehenen katholischen Gymnasium Paulinum. Genau zum selben Zeitpunkt, nämlich im September 1588, nahm eine von Graf Arnold gegründete und in einem aufgehobenen Nonnenkloster angesiedelte reformierte Lateinschule in Schüttorf in der Grafschaft Bentheim ihren Unterricht auf.
1591 wurde diese Schule von Schüttorf nach Steinfurt verlegt und zu einer Akademie erhoben, der nur das Recht zur Verleihung des Doktorgrades am Universitätsrang fehlte. Es gab dieselben Fakultäten wie an den damaligen Universitäten: Theologie, Jura, Philosophie, Geschichte und Beredsamkeit; Vorlesungen in Physik, Geometrie und Astronomie zählten zur Philosophie.
Das in nur kurzer Bauzeit in Burgsteinfurt errichtete Gebäude zeigt deutliche Merkmale der Renaissance. Die dreiteiligen Steinkreuzfenster und die Dreistaffelgiebel betonen den repräsentativen Charakter des großen, zweigeschossigen Bruchsteingebäudes. Die weithin sichtbaren, charakteristischen Türme tragen kupferne welsche Hauben. Zum Schmuck der Türme ließ Graf Arnold zwischen 1593 und 1605 auf beiden Helmen prächtige Wetterfahnen mit seinem Wappen und dem seiner Gemahlin, Gräfin Magdalena von Neuenahr und Limburg, anbringen. Der große viereckige Turm hat eine um den Helm herumlaufende Galerie mit sehr schönem, schmiedeeisernen Gitter, von der aus man astronomische Betrachtungen anstellen konnte.
1807 wurden nach dem Einmarsch napoleonischer Truppen im Gebäude Soldaten einquartiert. Zwischen 1811 und 1813 befand sich hier das kaiserlich-französische Tribunal. Später war hier noch einige Jahre eine Knabenschule untergebracht, bis das Haus 1851 wegen Baufälligkeit geräumt werden mußte. Nachdem das Gebäude in den Besitz der preußischen Justizbehörde übergegangen war, wurde es 1867 in einem grundlegenden Umbau aufgestockt und erhielt das große zweiflügelige Portal, das auch noch nach dem Wiederaufbau als Haupteingang dient. Seitdem hatte hier bis zur Zerstörung durch einen Bombenangriff im März 1945 das Amtsgericht seinen Sitz. Nach dem Kriege wurde das Gebäude als Rathaus hergerichtet und von 1958-81 für Verwaltungszwecke genutzt. In dem Gebäude befinden sich jetzt die Räume der Musikschule und der Volkshochschule sowie eine Anlaufstelle der Stadtverwaltung. 1996 wurde die Außenhaut des Gebäudes durchgreifend saniert.

