Kornschreiberhaus

Wohnhaus (Anfang 17. Jhdt.) im Historischen Stadtkern von Burgsteinfurt, Bütkamp 14, schmales, zweistöckiges Fachwerkhaus mit spitzem Giebel
Das Kornschreiber-Haus ist ein schmalbrüstiges, zweistöckiges Fachwerkhaus mit spitzem, hohem Giebel, das alle anderen umliegenden Gebäude überragt, die entweder ein- oder anderthalbstöckig sind. Im Gegensatz etwa zum gegenüberliegenden Ackerbürgerhaus, das niedrig und breit ist und die notwendige große Dielentür in der Mitte hatte, weist dies Haus mit seiner schmalen Haustür und den Stubenfenstern sich gleich als reines Wohnhaus aus.
Es stammt aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts und dürfte so eines der frühesten zweistöckigen Bürgerhäuser in Fachwerkbauweise in Steinfurt gewesen sein. Auffällig sind das jeweils vorkragende Ober- und Dachgeschoss. Diese Bauweise hatte für die Hausbewohner zwei erhebliche Vorteile. Mit den "overgetimmerten" Obergeschossen vergrößerte man auf kleiner Grundfläche den Wohnraum und erreichte nebenbei noch eine besondere Stabilisierung der Fachwerkkonstruktion: Da das Gewicht der Obergeschosse auf den überkragenden Balken ruhte, der Druck auf die Enden besonders groß war, hingen die Fußböden in den oberen Stockwerken nicht so leicht durch. Die Knaggen, die diese Vorkragungen abstützten, waren, wenn man es sich leisten konnte, natürlich schön geschnitzt, bei diesem Beispiel am Obergeschoss reicher, am Dachgeschoss einfacher.
Für die Jahre 1617 - 58 ist in den alten Häuserlisten der Name eines gräflichen Beamten zu finden, der des vermutlich aus Schwaben stammenden Kornschreibers Michael Oeglein. Er gilt als der Erbauer dieses Hauses und es spricht einiges für diese Annahme. Das genaue Baujahr dieses Gebäudes ist zwar noch nicht ermittelt worden, es gilt aber als sicher, dass es im Anfang des 17. Jahrhunderts liegt. 80 Jahre wohnte die Familie des Michael Oeglein immerhin in diesem Haus. Ein Kornschreiber war wohl der gräfliche Beamte, der die dem Landesherrn zustehenden Naturalabgaben zu überwachen und einzufordern hatte. Auch in späteren Jahren war das Haus meist im Besitz von gräflichen Beamten oder an solche vermietet.
Dank der Initiative und Sorgfalt des heutigen Besitzers konnte das Gebäude in seiner Eigenart wiederhergestellt werden. Eine Tafel neben der Tür weist auf die Reihe der ehemaligen Besitzer und Bewohner des Hauses hin.

