Stadtweinhaus


ehemaliges Weinhaus (um 1445) im historischen Stadtkern von Burgsteinfurt, Markt 19, zweigeschossiger Fachwerkbau
Das sog. Weinhaus kann als Gegenstück zum Rathaus, das auf der anderen Seite des Marktes liegt, betrachtet werden. Neueste Forschungen datieren die Erbauung des Weinhauses auf das Jahr 1445. Damit ist es eines der ältesten Profandenkmäler Westfalens. Es ist vom Grafen von Bentheim-Steinfurt in einer Zeit errichtet worden, in der von einer Selbstverwaltung der Stadt noch keine Rede sein konnte. Der Graf dokumentierte mit diesem Bau seine Stellung als Stadtherr und nutzte es für seine in der Stadt weilenden Gäste.
Der ursprünglich zweigeschossige Fachwerkbau mit Krüppelwalmdachgiebel zeigt eine bis dahin in Westfalen nicht belegte Konstruktionsweise. Offensichtlich war diese noch nicht ganz ausgereift, so dass bereits 1490 Stützmaßnahmen im Dachstuhlbereich notwendig waren. Die einzelnen Gefache des Hauses waren ursprünglich schon mit Backsteinen ausgefüllt: auch hier der älteste bekannte Fund im westfälischen Fachwerkbau.
Der das ganze Erdgeschoss einnehmende 6 m hohe Saal wurde im ersten Jahrhundert nach dem Bau des Weinhauses häufig für Schützenfeste und andere Feierlichkeiten, aber auch für öffentliche Zwecke genutzt. Gegen eine an den Grafen zu entrichtende Abgabe wurde hier auch Wein verkauft, woraus sich der Name des Hauses ableitet. 1569 verkaufte der Graf das Haus an einen Verwandten, der umfangreiche Umbauten vornehmen ließ.
1638 bezeichnete man das Weinhaus als ruiniert und es wurde erst 1648 wiederhergestellt, indem vor allem die Traufwand zur Kirchstraße hin als Bruchsteinwand unter Erdgeschossbalken gesetzt wurde. 1912 bekam das Haus seine jetzige Stuckfassade, die eine Kombination aus Jugendstil und Barock darstellt. Während der Zeit nutzte man es als gehobenes Bürgerhaus, Geschäftshaus und Mietshaus.
1983 ging das Weinhaus, nunmehr als "Schandfleck" am Markt bezeichnet, in den Besitz der Stadt Steinfurt über, wurde 1984 unter Denkmalschutz gestellt und zwischen 1988 und 1990 sorgfältig instandgesetzt. Das historische Gebäude enthält noch heute Fragmente eines gotischen Kamins. Seit Mai 1990 beherbergt das Weinhaus die Stadtbücherei.

