Stiftskammer St. Nikomedes

Stiftskammer (1985) in der Sakristei der Kirche St. Nikomedes im Stadtteil Borghorst, Kirchplatz
In der alten Sakristei an der Nordseite des Chors wurde 1985 die sog. Stiftskammer eingerichtet. Sie entstand aus einer "Idee einer neuen Bewahrung", welche die bildtheologischen Zusammenhänge in den Vordergrund stellte, im Gegensatz zu den rein ästhetisch-musealen Einrichtungen. Die Mitte des Raumes ist kreuztheologisch ausgezeichnet: in ihr steht der bedeutendste "Schatz" der St. Nikomedes Kirche, das ottonische Kreuzreliquiar des ehem. Kanonissenstiftes, das sog. Borghorster Kreuz. Diese Goldschmiedearbeit ist wahrscheinlich in der Mitte des 11. Jahrhunderts in einer nordwestdeutschen Werkstatt entstanden. Stifterin war Bertha, die dritte Äbtissin des Stiftes. Sie ist auf der Rückseite abgebildet. Auf der Vorderseite ist Kaiser Heinrich III zu sehen, dessen Familie in enger Beziehung zur Gründerfamilie des Stiftes Borghorst stand. Das Kreuz trägt auf der Vorderseite drei Behälter aus Bergkristall, die insgesamt 17 Reliquien in sich bergen.
Um das zentrumsbildende Stiftskreuz sind drei weitere Bereiche gruppiert: der erste ist dem Reliquienkult und der Liturgie des Mittelalters, der zweite der Liturgie der Neuzeit und der dritte der klösterlichen Minne gewidmet. Die hierzu ausgewählten 30 Objekte - von abendländischem Rang bis zur regionalen Bedeutung - verbildlichen die 1000jährige Geschichte und religiöse Tradition der Borghorster Kirche. So sind u.a. drei Bronzeleuchter aus dem 12. Jahrhundert, eine Reliquienstatuette des Heiligen Nikomedes, des Hauptpatrons der Borghorster Kirche, aus der Zeit um 1380/90 und eine spätgotische Muttergottes mit dem Jesuskind zu sehen. Eine Reihe von neuzeitlichen Messgewändern und Ðgeräten ergänzt die Ausstellung, die von einem Stiftspokal von 1714 abgeschlossen wird. Er trägt die Inschrift: "Es lebe das Capitulum zu Borghorst"

